Infoveranstaltung zum Thema "Homeschooling" in Lyss

03.04.2016:

Die Anmeldefrist für den 3. Nationalen Bildungstag in Lyss ist abgelaufen. Mit über 200 Interessierten ist der Anlass vollständig ausgebucht! Es hat keine freien Plätze mehr. Nicht angemeldete Personen können nicht eingelassen werden. Wir bitten um Verständnis!

Der Verein "Bildung zu Hause" veranstaltet zum 3. Mal den sogenannten "Bildungstag". Diese Veranstaltung richtet sich an Menschen, die gerade erst mit dem Homeschooling begonnen haben und bald beginnen werden.

hier der link.

2016_Bildungstag.pdf
Adobe Acrobat Dokument 113.1 KB

Mo

19

Jan

2015

Steinzeit

Seit Herbst ist die Steinzeit ein Thema bei uns. Schon früher haben wir dieses Thema immer wieder gestreift und da der Stundenplan eine Menschheitsgeschichtliche Sequenz in der 4. Klasse vorsieht, habe ich beschlossen, das Ganze etwas systematischer anzugehen.

Da Füchschens minecraft-Begeisterung immer noch da ist, haben wir beschlossen einen Teil des Themas auf minecraft zu lernen. Wie das gehen soll? Ganz einfach: Muttern schmeisst sich in die minecraft-Welt und platziert Fragen in dieser Welt. Es gibt Bücher, in die man freie Texte schreiben kann und anschliessend kann man diese Bücher in Truhen ablegen. Ein anderer Spieler (in diesem Fall Füchschen) kann sie finden und die Antworten auf die Fragen dazu scheiben. Anschliessend "signiert" Füchschen das Buch, so dass keine Aenderungen mehr vorgenommen werden können. Dann durchwandere ich die virtuelle Welt noch einmal und lese, was er mir geschrieben hat. Ist wahnsinnig viel Aufwand, war aber lustig. Ausserdem war Füchschen total irritiert-fasziniert, dass sich seine alte Mutter in minecraft bewegt.

Diese Idee stammt auch nicht von mir und ist in viel ausgebauterer Form hier praktiziert worden: http://minecrafthomeschool.com/

Neben den Exkursionen in minecraft habe ich ihm ein sogenanntes "Lernblatt" auf die Desktop-Oberfläche gelegt. Dort konnte er links zu diversen Seiten / Filmen folgen.


hier ist sein 2. Lernblatt, dass ihm Hinweise zu den diversen Schritten in minecraft gibt. Da nicht alle Schritte einen Hinweis benötigten haben nur einzelne Schritte einen Kommentar.
Lernblatt Teil 2.doc
Microsoft Word Dokument 50.0 KB

Neben dieser virtuellen Reise haben wir auch ganz konkret versucht Feuer mit Silex und Pyrit zu machen. Leider haben wir trotz wildem Steineklopfen nie genug Funken erzeugen können, um den Zunderschwamm zum glimmen zu bringen..... tja, unsere Steinzeittauglichkeit ist wohl nicht so überzeugend.

Das Feuersteinset stammt übrigens von www.steinartig.de

Erfolgreicher waren wir beim Wasser erwärmen wie der untenstehende Film zeigt. Für ein lauwarmes Süppchen (mit Kohlestückchen) hätte es durchaus gereicht. Da bis in die Bronzezeit keine metallenen Gefässe bekannt waren, konnte man die bestehenden Gefässe nicht übers Feuer hängen und so das Wasser erwärmen. Darum kam diese Methode zum Zug:

Das Feuer wurde im übrigen von Füchschen selbst entfacht (na gut: zwar mit Anzünder aber die Späne hat er eigenhändig gehackt).

 

Um das Verständnis zu vertiefen haben wir mit Lego und Kinderknete eine Steinzeit-Miniwelt gebaut, die alles enthält, was für die Steinzeit im Gegensatz zur Bronze/Eisenzeit wesentlich ist.

(der Frisurlose Typ im Hügel ist überigens ein Toter, der bestattet wurde. Früher war man sich nicht sicher, ob Neandertaler und ihre Vorgänger ihre Toten bestatteten, aber heute kann man anscheinend mit ziemlicher Sicherheit sagen, dass Totenrituale schon sehr früh in der Menschheitsgeschichte auftauchen).


Fazit:

Diese Art des Lernens ist sehr lustvoll, erzeugt etwas wenig Geschriebenes, dafür aber viel Verständnis. Ich kanns nur empfehlen!

Mi

16

Jul

2014

Homestory übers Homeschooling in der BZ

Heute ist ein breiter angelegter Artikel übers Homeschooling in der BZ: www.bernerzeitung.ch/region/kanton-bern/240-Berner-Kinder-werden-zu-Hause-unterrichtet/story/28965251

 

im pdf ist die Printausgabe zu sehen.

Homestory über David
Artikel BZ 16.7.14.pdf
Adobe Acrobat Dokument 2.5 MB

Do

08

Mai

2014

Gewundene Pfade

Autor: Wüstenfuchs

Seit einigen Tagen geht mir etwas immer wieder im Kopf herum, dass ich in einem sehr interessanten blog gelesen habe. Die Autorin heisst Lori Pickert und das ist ihr blog.

 

In einem ihrer vielen wirklich guten und zum Teil auch sehr witzigen Texte stellt sie sich die Frage, ob wir als Eltern den Mut hätten unseren Kindern "gewundene Pfade" zuzustehen.

 

Sie bezieht sich darauf, dass die Lebensläufe vieler Erwachsener gar nicht so gerade sind, wie man versucht hat uns weiszumachen. Wenn du Schüler bist, dann erklärt man dir: zuerst die Schule, dann die Ausbildung, dann einen guten Job, Ehe, Familie, Pension, Enkelkinder und Sarg (naja, das Letztere bleibt meistens unerwähnt).

 

Als junger Erwachsener geht man davon aus, dass das Leben so funktioniert. Aber in den meisten Fällen ist es eher so wie Bert Brecht schon sagte: "...mach dir einen Plan und einen zweiten und gehn tun 'se beide nicht..."

Wenn ich meinen Lebensweg zurückschaue, dann ist er mehr als gewunden. Wenn mir einer vor 10 Jahren, nein vor 5 Jahren, erzählt hätte, was ich heute tue, dann hätte ich ihn direkt in die Psychatrie einliefern lassen.

 

Das Leben kann so überraschend sein! Ich war Kindergartenpraktikantin, Reisende, Verkäuferin, Barfrau, Heilpraktikerin, politische Aktivistin, Kampfsportlerin, Masseurin, Pflegende bei Alten und im OP, Gleitschirmschulen-Mitbetreiberin, Buchhalterin...... und all das möchte ich keinen Tag missen! All diese Erfahrungen machen mich aus.

 

Und jetzt kommen wir zum spannenden Teil: haben wir den Mut für unsere Kinder ein Leben mit Irrungen und Wirrungen zu akzeptieren anstatt eines "höchstmöglichen" Abschluss mit dem "bestmöglichen" Job und sozialen Prestige?

 

Haben wir den Mut sie scheitern zu sehen? Sie so richtig auf die Schnauze fallen zu sehen? Denn das werden sie.

 

Das ist schwer zu aktzeptieren beim eigenen Kind. Man stellt sich lieber vor wie alles klappt, der Sohn einen gut bezahlten Job, eine liebe Partnerin und süsse Kinder hat. Man beschäftigt sicher eher wenig mit dem Gedanken, er könnte ein tagträumender Surfer mit chronischen Geldsorgen werden....und das wäre noch die romantische Version einer Irrung.

 

Lori Pickert erwähnt in ihrem post, dass viele erfolgreiche Menschen eben solche gewundenen Pfade gegangen sind. Was natürlich nicht heisst, dass es für den Erfolg einen Zickzackkurs braucht und dass dieser automatisch zum Erfolg führt. Manchmal führt er einfach nur zu einem facettenreichen, interessanten Leben. Ungeachtet, ob andere das als Erfolg oder Misserfolg werten.

Fr

07

Mär

2014

Homeschooler in der Schweiz

Wir haben seit neuestem eine Karte, wo man andere Homeschooler finden kann! Wer noch nicht drauf ist und es gerne wäre: meldet euch!

0 Kommentare

Fr

07

Mär

2014

Besuch beim Tunnelbau in Gündlischwand

Autor: Wüstenfuchs

Am Dienstag, den 4.3.2014 fand der nunmehr 4. Monatstreff der Oberländer Homeschooler statt. Mit 6 teilnehmenden Familien waren wir wie immer im nu auf 17 Kindern! Die Jüngsten grad mal 3 Jahre alt, die ältesten 13jährig. Also wunderbar altersdurchmischt und bunt.

 

Normalerweise macht die Frutiger AG (die Baumeister des Tunnels) Führungen auf der Baustelle erst ab 14 Jahren, da aber eine der Mütter den Bauleiter kennt, haben sie hier eine Ausnahme gemacht und unseren Kindern eine interessante Erfahrung ermöglicht. Merci viel mal J.!

 

Die Bilder zu diesem Ausflug findet ihr in der Galerie.

 

Am nächsten Dienstag, den 11.3.2014, steht schon der nächste Anlass an. Wir werden die grosse Orgel in der Kirche Interlaken vorgeführt und erklärt bekommen. Wer mitkommen will: einfach unter "Kontakt" anmelden.

0 Kommentare

Mi

12

Feb

2014

Mutige neue Wege in der Bildung

Am 14. und 15. März 2014 findet in Diedorf, Deutschland in der Nähe von Augsburg, das Symposium "Mutige neue Wege" im Theaterhaus Eukitea mit bekannten Referenten statt. Unter anderen tritt auch André Stern, sicher einer der bekanntesten Homeschooler / Unschooler im Moment, auf.

Unter diesem link http://www.mutigeneuewege.de/ kann man mehr erfahren und sich anmelden.

0 Kommentare

So

09

Feb

2014

Gegen den Strom schwimmen

Autor: Wüstenfuchs

Die letzten Wochen waren geprägt von intensiven Gesprächen mit den verschiedensten Leuten über die Themen Schulsystem, Lernen und Homeschooling. Fast wöchentlich erhalte ich Zuschriften über diese Seite von Menschen, die Infos brauchen, wie ein Start ins Homeschooling gelingen kann. In meinem Umfeld treffe ich immer mehr auf Menschen, die, genau wie ich, mit dem Schulsystem nicht einverstanden sind. Und wenn meine Wahrnehmung nicht total verfälscht ist durch die Beschäftigung mit diesem Thema, dann stelle ich erstaunt fest, dass die Zahl derer wächst, die andere Antworten suchen.

 

Die grösste Schwierigkeit bei der Umsetzung stellt oft nicht der bürokratische Teil dar, sondern besteht darin, den Mut zu finden, gegen den Strom zu schwimmen. Es ist ja nicht nur so, dass unsere Kinder heute dazu gebracht werden, sich anzupassen und den Vorgaben zu folgen, sondern es ist ja ebenso eine Tatsache, dass auch uns schon das gleiche abverlangt wurde. Wer brav ist und macht, was man ihm sagt, bekommt die Note 6 und wird gelobt. Wem das zu krass formuliert erscheint, hat wahrscheinlich noch keinen Kontakt mit den Erziehungsinstitutionen gehabt. Schon bei geringen Abweichungen von der "Norm" wird heute an den Kindern "rumgeschraubt", sprich: es wird abgeklärt, therapiert und gefördert dass die Kindergehirne rauchen und die Experten heisslaufen.


Sich dem zu entziehen oder gar entgegen zu stellen überfordert viele Eltern und stürzt sie bisweilen in tiefe Sinnkrisen. Ich habe mit nicht wenigen Müttern gesprochen, die mir erzählten, dass sie nach den Elterngesprächen mit Lehrkräften oder Kindergärtnerinnen, zutiefst schockiert wegen des "Urteils" über ihr Kind, zu glauben begannen, in der Erziehung total versagt zu haben. Viele fügen sich den vorgeschlagenen Massnahmen in der Hoffnung, dass es das Beste für ihr Kind sei.

 

Bei mir hat es erstmal auch diese Verwirrung ausgelöst, aber dann hat sich in mir der Widerspruch breit gemacht, weil es sich einfach nicht richtig angefühlt hat, dass mein Kind, Kinder überhaupt, auf diese Art und Weise beurteil, betrachtet werden. Als wären es normierbare Maschinen, bei denen man nur irgendein Schräubchen nachjustieren müsste und schon würde alles wieder wie geschmiert laufen. Als wäre im Leben jemals etwas nach Norm oder Plan gelaufen!

Als ich mir das klar gemacht hatte, kam die Wut hoch. Die Wut auf ein System, dass Kinder als zukünftige "Leistungserbringer" betrachtet, die auf die "Härte des Lebens" vorbereitet werden müssen und denen man nur früh genug die Freude austreiben muss, denn der "Ernst des Lebens" versteht keinen Spass. Vielleicht etwas spitz formuliert, aber ein sehr grosses Korn Wahrheit steckt auf jeden Fall drin.

 

Viele spüren diese Wut oder Empörung, aber die Angst überwiegt oft den Wunsch sich dem entgegen zu stellen. Oft ist es die Angst vor dem Urteil der "anderen". Meist sind es ganz konkret Menschen aus der eigenen Familie, die nicht mit der Entscheidung, das Kind aus der Schule zu nehmen oder es gar nicht erst dort hin zu schicken, einverstanden sind. Aber oft ist es auch eine diffuse Befürchtung von den Nachbarn komisch angeschaut zu werden oder das Opfer von Klatsch hinter dem eigenen Rücken zu werden.

 

Ich kann das gut verstehen. Denn wenn man einigermassen gut in sein Umfeld integriert ist, dann will man tunlichst vermeiden komisch aufzufallen . Aber wenn man genauer darüber nachdenkt, dann wird man zugeben müssen, dass das eigene Lebensglück eindeutig vor dem, wie auch immer gearteten, Urteil anderer steht. Sich eine eigene Meinung zu bilden und zu anderen Schlüssen zu kommen als das gesamte Umfeld, braucht sicher Mut und ist auch mit Sicherheit nicht der einfachste Weg, aber das Lebensgefühl, das daraus erwächst, ist ein ganz anderes, als wenn man einfach dem Plan X folgt.

Auch wenn man sich manchmal von der Last der Verantwortung fast erdrückt fühlt oder schwach, weil wieder irgendjemand einen blöden Kommentar vom Stapel gelassen hat, gibt es nichts, was den Genuss ein selbstbestimmtes Leben zu führen, toppen kann.

 

Ich finde, dass jeder das Recht hat über die bestehenden Institutionen und Werte nachzudenken und zu eigenen (anderen) Schlüssen zu kommen. Es müssen auch nicht meine Schlüsse sein. Wichtig ist, dass es auf dem eigenen Mist gewachsen ist und man dahinter stehen kann. Dann lassen sich schwierige Begegnungen viel leichter durchstehen und Kritik am eigenen Handeln kann man dann viel leichter einfach so stehen lassen ohne grosse Rechtfertigungen oder gar Entschuldigungen.

 

Gegen den Strom zu schwimmen ist sicher nicht der leichteste Weg, aber die eigene Meinung zu vertreten gibt mir das gute Gefühl, weniger manipulierbar zu sein.

 

2 Kommentare

Sa

25

Jan

2014

Messerschmiede Graf in Münsingen

Autor: Wüstenfuchs

Füchschens Messer
Füchschens Messer

Dieses tolle Messer hat Füchschen heute in der Schmiede Graf in Münsingen unter fachkundiger Anleitung von Mike Graf geschmiedet!

 

Ich konnte kaum glauben, dass es möglich ist, dass ein 9jähriger so etwas selber herstellen kann. Erstaunlicherweise war Füchschen, der ja schliesslich dabei war, selber auch sehr erstaunt darüber. Auf der Heimfahrt wiederholte er immer wieder: "Ich kann nicht fassen, dass ich das mit meinen Händen gemacht haben soll!" Als ich ihn dann noch darüber aufklärte, dass er 7 Stunden daran gearbeitet habe, viel er aus allen Wolken und schrie fassungslos: "Waaaaas? Ich dachte, ich hätte höchstens 3 Stunden oder so daran gearbeitet!"

 

Mich macht das Ganze froh, weil es für mich die Richtigkeit des Freilerner / Homeschooling-Ansatzes zeigt. Das Begreifen von grundlegenden Erkenntnissen funktioniert tatsächlich nur über das Tun / Anfassen / "Greifen". Füchschen werde ich nie erklären müssen, dass das Erschaffen von Dingen mit den eigenen Händen einen Stolz macht, wie es kein erreichtes Level im Computergame kann. Ich werde ihm auch nie erklären müssen, dass die Zeit bei Dingen, die man gerne macht, keine Rolle spielt. Und das Arbeiten dann etwas sehr Freudiges ist.

 

Der Messerschmied Mike Graf führt jedes Jahr 2-3 "kids days" durch, an denen er maximal 8 Kindern hilft ihr selbstentworfenes Messer zu schmieden und den gewählten Griff anzubringen. Er macht das mit so viel Charme und Humor, das Füchschen ohne weiteres den ganzen Tag mit Begeisterung bei der Sache war. Er lässt die Kinder aus Holz, Horn oder Knochen einen Griff auswählen und passend zum Griff eine Schneide entwerfen. Dann wird der Ofen angeworfen, der Stahl in die gewünschte Form gehämmert, die Schneide nach dem Auskühlen geschliffen, der Griff gebohrt und beide Teile miteinander verklebt. Und zu guter Letzt wird der Name des Kindes auf eine Seite der Klinge graviert. Wenn die Eltern nach einem Tag Arbeit wieder in die Schmiede kommen, stehen sie einem Haufen aufgedrehter und sehr stolzer Kinder gegenüber, die sich köstlich amüsiert haben. Was will man mehr?

 

Ausserdem ist die Geschichte mit dem Schmieden des Messers noch nicht zu Ende. Da das wirklich sehr scharfe und grosse Messer unbedint eine Scheide braucht, wird uns der nächste Schritt zur Sattlerin im Dorf führen. Wir wollen dort dickes Leder und geeigneten Nähfaden besorgen, um diese Scheide selber herzustellen.

 

Jetzt bleibt nur noch die Frage zu klären unter welchem Fach ich das Ganze verbuchen soll. NMM? Gestalten? Egal! Für mich beweisst das nur, dass das Leben keine Fächer kennt und nicht in Teile zerlegt werden kann. Für Füchschen jedenfalls war es eine alle Sinne umfassende Erfahrung.

 

Mir bleibt nur noch eines zu sagen: Mike führt auf Anfragen auch mit kleineren Gruppen solche Anlässe durch und ich kann ihn euch nur empfehlen!

4 Kommentare

Mo

23

Dez

2013

Freerunning

Autor: Wüstenfuchs

Die neuste Leidenschaft des Füchschens ist Freerunning oder Parkour. Das Filmchen unten war sein Wunsch und er ist unendlich stolz auch zu der Gilde der, von ihm so bewunderten Freerunnern, zu gehören, die ihre Kunst im Netz zeigen.

Parkour wurde von David Belle begründet und basiert auf einer interessanten Philosophie. Wer mehr darüber lesen möchte, findet hier viel Lesestoff.

4 Kommentare

Fr

18

Okt

2013

Die Sinnfrage 2

Autor: Wüstenfuchs

Was aber, wenn für dein Kind nicht die richtigen Dinge sinnvoll sind?

 

Was, wenn es sich nicht für die Grundlagen interessiert, die jeder Mensch haben muss, um in dieser Welt durchzukommen?

 

Das Leben ist doch kein Wunschkonzert! Gewisse Dinge muss man einfach lernen, ob man das jetzt als sinnvoll oder nicht erachtet!

 

So oder so ähnlich waren einige Kommentare auf meinen letzten post. Das möchte ich natürlich nicht unbeantwortet lassen.

 

Als erstes möchte ich festhalten, dass mir diese Ueberlegungen überhaupt nicht fremd sind. Ich habe das alles auch schon gedacht, habe mir die gleichen Fragen gestellt.

 

Wenn man bedenkt, dass die meisten von uns wahrscheinlich keine Erfahrung haben in freiem, selbstmotiviertem Lernen - eher wohl im Gegenteil - dann ist das so, als müssten wir uns ein Urteil darüber bilden, ob ein Weltraumspaziergang gefährlich ist oder nicht. Und natürlich sind wir in irgendeiner Ecke unseres Bewusstseins davon überzeugt, dass es nur so geht, wie wir es selber gemacht haben, denn schliesslich hat das ja funktioniert....irgenwie.... mehr oder weniger.

 

Aber um auf die Sinnfrage zurückzukommen, möchte ich ein konkretes Beispiel von Füchschen heranziehen. Füchschen ist musikalisch. Das sieht man, wenn er Musik hört. Dann tanzt er, hat die Melodie schnell im Ohr (und nach Monaten immer noch drin) und alles, was mit Musik kommt "frisst" sich in seinen Kopf, so dass er es nicht mehr los wird. Aber der Musikunterricht in der Schule langweilte ihn zu Tode, fand er doof. Sprich: sinnlos. Daraus zu schlussfolgern man könne Musik bei Füchschen getrost sein lassen, finde ich falsch und kann ich auch gar nicht, da ich mich ja an den Berner Lehrplan halten muss und da steht nun mal "Musik" drauf.

 

Ich habe mir das Unterrichtsmaterial angesehen und muss zugeben, dass ich es auch todlangweilig, doof und sinnlos finde. Unsere Antwort darauf war nicht Musikunterricht über Musik zu machen, sondern Musik zu machen.

Füchschen musste gar nicht lange überlegen, welches Instrument er gerne spielen würde: Klavier (noch grösser wäre wahrscheinlich nur noch eine Orgel gewesen, aber das ist ein anderes Thema...). Also haben wir nach einer Lehrerin gesucht, er hat sie ausgesucht, sie hat uns dazu geraten ein Klavier anzuschaffen, da er ja sonst nicht üben kann. Also haben wir in einer spannenden Online-Aktion um ein elektronisches Piano geboten, bei dem er bis 23.00 nachts mitgefiebert hat. Dann sind wir das Monster in Luzern holen gegangen und haben dem Vorbesitzer dafür Geld in die Hand gedrückt.

 

Jetzt hat Füchschen also Klavierunterricht und das macht viel mehr Sinn. Füchschen hat bei diesem ganzen Prozess gelernt, dass

... er Musikunterricht haben muss, weil das so im Lehrplan steht, man dies aber auf verschiedene Weise erfüllen kann.

... dass Musik machen viel interessanter ist als theoretisch über Takte, Tonhöhen, etc. zu lernen.

... dass sein freier Wille zählt, wenn es darum geht wie man eine Vorgabe erfüllt.

... dass es Anstregung, Geld und Geduld braucht, um genau das zu erreichen, das man sich vorgestellt hat.

(der ganze Porzess hat nämlich gute 4 Monate gebraucht, da er auf den Beginn eines neuen Schuljahres warten musste)

... dass etwas an Wert gewinnt, wenn man sich dafür anstrengen musste.

 

Wie ich in meinem letzten post geschrieben habe, kann man niemandem Inhalte in den Kopf stopfen, die dieser nicht lernen will. Aber ich habe auch geschrieben, dass nur Inhalte, die aus Interesse und mit Begeisterung gelernt werden, tatsächlich gelernt sind. Daraus folgt, dass man zwar niemanden zum Lernen zwingen kann, aber man kann begeistern (aber natürlich nur, wenn man es selber ist).

Für mich ist das der Schlüssel, wenn es mal nicht klappt mit dem Lernen. Ich probiere so lange herum bis ich einen Zugang finde, der auch ihm zusagt (1x1 haben wir fast ausschliesslich beim Ballspielen oder auf der Schaukel gelernt) oder ich lasse ihm totale Wahlfreiheit des Themas z.B. in NMM (=NaturMenschMitwelt) und da der Lehrplan dort sehr breit gefasst ist, hat er mit seinen Themen noch nie "daneben" getroffen.

 

Aber um auf den Anfang zurückzukommen: ich verstehe all diese Zweifel und Fragen. Sie überfallen mich auch immer wieder. Es ist nicht einfach, den Glauben an das Potential des eigenen Kindes - der Menschen überhaupt - und die Fähigkeit zu selbstgesteuertem Lernen nicht zu verlieren, wenn wieder mal nur gamen und Langeweile auf dem Programm stehen.

 

Die einen saufen sich Mut an, ich lese in mir an. Zum Beispiel auf Seiten wie dieser hier:

http://kraetzae.de/schule/sudbury/einfuehrung/#ii

Hier wird das Konzept der Sudbury-Schulen in Form eines Frage-Antwort-Spiels erläutert. Sehr ermutigend!

Mi

16

Okt

2013

Die Sinnfrage

Autor: Wüstenfuchs

Die Frage nach dem Sinn des Lebens ist für die einen ein rotes Tuch und für die anderen das Lebenselexier. Den einen erscheint sie zu esoterisch, den anderen ist sie tagelange Retreats wert. Ich denke, dass man ihr auf keinen Fall entgehen kann oder anders gesagt: keine Antwort ist auch eine.

 

Je länger ich mich mit dem Thema Lernen beschäftige, um so klarer wird mir, dass dieses ganz grundlegend mit der Frage nach dem Sinn verknüpft ist.

 

Füchschen lernt Dinge, die für ihn Sinn machen (wie im Moment z.B. Dinge über Dinosaurier), sehr schnell und ist gegenüber Dinge, die für ihn keinen Sinn machen (wie z.B. deutsche Rechtschreibung), sozusagen lernresistent. Natürlich versteht er, dass ein Brief, den er später mal schreiben muss, nicht vom Empfänger verstanden wird, wenn er kreuzfalsch und in Fantasiegrammatik geschrieben ist. Da er aber im Moment keinen Brief schreiben will, ist ihm Lesbarkeit und Verständlichkeit egal. Er weiss ja, was er geschrieben hat.

 

Was das alles mit dem Sinn zu tun hat?

Ganz einfach: sobald ein Mensch in seinem Tun / Lernen Sinn erkennen kann, fällt es ihm leichter, strengt er sich an und nimmt er sogar Schwierigkeiten auf sich, die er sonst nie in Angriff nehmen würde. Oder anders gesagt: er schöpft sein Potential voll aus.

 

Dummerweise ist es so, dass man nichts sinnhaft machen kann, was einem anderen nicht als sinnvoll erscheint. Man kann niemanden dazu zwingen etwas als sinnvoll anzusehen und somit kann man auch niemanden zu echtem (intrinsischen) Lernen bringen. Man kann niemanden Inhalte in den Kopf stopfen, wenn der das nicht will. Und das ist gut so. Das macht uns zu den Individuen, die wir zu sein wünschen.

Nur genügend Raum und Freiheit ermöglicht es, zu erkunden, was für jeden Einzelnen Sinn macht.

 

Leider kollidiert diese Sichtweise frontal mit dem Schulsystem und die ganze Misere kommt zum Vorschein, wenn es, wie bei Füchschens grossem Bruder, um die Berufswahl geht. 8 Jahre lang haben die Schüler gelernt, dass es keine Rolle spielt, was ihnen gefällt oder was sie interessiert. Man hat ihnen beigebracht die in sie gesetzten Erwartungen zu erfüllen und die Pensen, die für sie vorgesehen waren, abzuarbeiten. Und dann plötzlich tritt man auf sie zu und fragt sie, was sie mal "werden wollen". Den wenigsten ist es bis dahin gelungen eine "Leidenschaft" zu entdecken und sie entscheiden sich reflexartig für "sichere" Lösungen. Oder wie es ein Jugendlicher formulierte: "Irgendwas, so dass ich wenigstens mal was in der Tasche habe."

 

Schade, denke ich. Wenn man den Kindern die Gelegenheit gegeben hätte, ihre Interessen ernsthaft zu erkunden, dann wäre diese Frage nach dem zukünftigen Beruf etwas Begeisterndes. Stell dir vor, du hast noch alle Türen offen und kannst abwägen, was deinen Neigungen, Begabungen und Interessen am nächsten kommt!

 

Wenn ich Füchschen oder noch kleinere Kinder beobachte, dann erkenne ich, dass diese kleinen Menschen nichts mehr frustriert, als wenn man sie in, für sie sinnvollen Beschäftigungen, unterbricht, weil sie "stören", "nicht angebracht" sind oder dafür "keine Zeit" ist. Es ist nicht leicht dem freien Willen eines Menschen Raum zu geben, aber ich glaube, dass die Anstrengung lohnt, da meiner Beobachtung nach, Menschen, die ihren Interessen, ihrem freien Willen und ihrem Sinn nachgehen können, mehr in sich selber ruhen als solche, deren Wahlfreiheit immer dem Aspekt "Sicherheit" unterworfen ist.

4 Kommentare

Mi

16

Okt

2013

Artikel im OYA-Magazin

Seit kurzem steht einer meiner Blog-Beiträge im Oya-Magazin online und ist auch in der Druckversion veröffentlicht worden:

http://www.oya-online.de/article/read/1108-ein_silberstreif_am_horizont.html

Ich freue, mich so noch ein paar Leser mehr zu erreichen und mit dem Thema Home-/Un-/Deschooling in Kontakt zu bringen!

1 Kommentare

Mo

26

Aug

2013

Text im Mamablog.ch

Heute ist von Jeanette Kuster ein guter Artikel im Mamablog.ch erschienen. Hier nachzulesen!

 

Ich kann ihrer Analyse der heutigen Schulsituation nur zustimmen. Diese war ein gewichtiger Grund, warum wir zum Homeschooling übergegangen sind.

0 Kommentare

Do

11

Jul

2013

Freies Turnen in Einingen

Autor: Wüstenfuchs

Endlich stehen die Daten für das freie Turnen in der Turnhalle "Roggern" in Einingen statt! Ihr findet sie unter "Veranstaltungen"

0 Kommentare

Sa

06

Jul

2013

Resumée nach dem ersten halben Jahr Homeschooling

Autor: Wüstenfuchs

Kaum kann ichs glauben, aber das erste halbe Jahr Homeschooling liegt hinter uns und damit auch die zweite Klasse.

Wenn ich unsere Erfahrung in diesen 6 Monaten zusammenfassen sollte, dann wäre das wichtigste Schlagwort "Erleichterung". Es war eine grosse Erleichterung Füchschen nicht jeden Morgen aus dem Bett treiben und davon überzeugen zu müssen, dass Schule notwendig sei, auch wenn es einen quäle. Es war erleichternd erkennen zu können, dass Lernen langsam-langsam wieder etwas wird, das Spass machen könnte. Auch wenn wir von eigenmotiviertem Lernen noch weit weg sind und ich ihn für jeden Schritt, sei es lesen oder schreiben, pushen muss. Aber ich halte mich an dem fest, was mir eine Mutter vor kurzem erzählt hat. Sie sagte, dass ihr Junge, der zwei Jahre in die Regelschule ging, etwa eineinhalb Jahre Homeschooling brauchte, um von der ablehnenden Haltung gegenüber dem Lernen wegzukommen.

Dieser Widerstand von Füchschens Seite und der Lehrplan, den ich einhalten muss, hat bewirkt, dass wir im Moment auch noch sehr weit weg vom richtigen Freilernen sind. Aber für das nächste Schuljahr habe ich mir vorgenommen Projektorientierter zu arbeiten und weg vom Fächerorientierten Lernen zu kommen. Mir erscheint die Idee des "Epochen-Unterrichts", wie er in der Steiner-Schule praktiziert wird eine gute Idee für den Uebergang in echtes Freilernen. Beim Epochenunterricht verweilt man einen längeren Zeitraum (ein paar Wochen) beim gleichen Thema und beleuchtet es von unterschiedlichen Standpunkten aus. Am Thema Honigbiene, das ein Thema für unser nächstes Jahr wird, kann man das gut erklären:

Biologie: Anatomie einer Biene und Aufbau von Blumen

NMM: Bienenstöcke bei uns im Dorf besuchen und den Imkern bei der Arbeit zuschauen

         Film "More than honey" schauen und besprechen

Mathe: eine Biene bringt 15 mg (was sind mg? > Masseinheiten) Nektar im Honigmagen in den Stock daraus werden 7 mg Honig. Bei max. 10 Ausflügen einer Biene und bei 500 Sammelbienen pro Tag, wieviel Nektar / Honig wird produziert..... etc.

Deutsch: Aufsatz zum Thema mit Stufengemässen Korrekturen, Gedicht zum Thema auswendig lernen

Gestalten: Bilder zum Thema "Biene"

etc.......

Diese Art des Herangehenes lässt Raum für eigene Ideen und führt weg von der künstlichen Zerstückelung des Lebens in "Fächer".

 

Zusammenfassend gesagt: wir sind noch lange nicht dort, wo wir sein wollen, aber auf dem Weg dahin. Und ich freue mich diesen Weg gehen zu dürfen und bin gespannt auf viele neue spannende Begegnungen mit anderen freilernenden Menschen.

7 Kommentare

Mi

05

Jun

2013

1. Homeschooler-Treffen im Berner Oberland

Autor: Wüstenfuchs

Gestern traffen sich, bei endlich der Jahreszeit entsprechendem Wetter, 11 Familien mit ca. 25 Kindern auf dem Brätliplatz in Wilderswil zu einem ersten Kennenlernen. Alle Familien leben im Berner Oberland und die meisten von ihnen haben die Bewilligung zum "häuslichen Unterricht" erst seit kurzem in der Hand.

Wie es scheint, haben wir das Glück gehabt genau im "richtigen Moment" mit dem Homeschooling zu beginnen. Dieses Projekt druchzuführen mit dem Wissen, dass es noch einige andere gibt, die das gleiche tun, stärkt einen doch sehr. Ich habe die interessanten Gespräche sehr genossen und wieder viele neue (Lebens-)Geschichten erfahren, die zu dem Entschluss führen sich aus dem Schulsystem auszuklinken und selbst aktiv zu werden.

Wir werden ab dem Sommer ein gemeinsames Turnen in einer Turnhalle in Spiez einmal im Monat organisieren. Die Idee ist es, eine Turnhalle mit all ihren Turngeräten zur freien Nutzung zur Verfügung zu haben. Es wird keinen "Sportunterricht" im üblichen Sinne geben, sondern einfach Raum zum Ausprobieren und Austauschen. Dieses Turnen ist für alle Interessierten offen. Sobald die Daten und der Ort sicher feststehen, werden wir hier darüber berichten

2 Kommentare

Di

21

Mai

2013

Tauchen

Autor: Wüstenfuchs

Schon seit Füchschen 4 Jahre alt ist, wünscht er sich zu tauchen. Wasser ist sein Element. Er schnorchelt und schwimmt schon lange wie ein Weltmeister, aber den Schritt zum Gerätetauchen konnte er bisher nie tun, da er schlichtweg zu jung war. Aber jetzt mit 8 Jahren darf er endlich. PADI bietet für die Jüngsten den sogenannten "Seal Team"-Kurs an. Die Jung-Taucher können 5 Tauchgänge im Schwimmbecken machen und lernen dabei alles, was sie später als selbständige Taucher auch gebrauchen können.

Seit letzen Freitag sind wir also dran die Tiefen zu erforschen. Ich mache bei dieser Gelgenheit ebenfalls meinen Traum vom Tauchen wahr und begleite Füchschen auf diesem Abenteuer.

 

0 Kommentare

Do

25

Apr

2013

Schubladisierungen

Autor: Wüstenfuchs

Der Titel unserer Webseite "Freilerner" scheint zu Schubladisierung einzuladen. Im deutschen Sprachraum wird dieser Begriff häufig für diejenigen verwendet, die ihre Kinder komplett unstrukturiert lernen lassen. Im Englischen wird diese Art des Lernens auch "Unschooling" genannt. Wobei diese beiden Begriffe bei genauerer Betrachtung doch wieder nicht so eindeutig sind, wie man denken könnte.

Es gibt Freilerner, die einem Lehrplan unterworfen sind, dessen Einhaltung jedes Jahr extern geprüft wird. Somit ist die Freiheit im Lernen nur noch teilweise erhalten, da bestimmte Themen zu bestimmten Zeiten erarbeitet und überprüfbar sein müssen. Im Gegensatz zu den Ländern / Regionen, in denen die Eltern weitgehend freie Hand haben und die Kinder erst nach Jahren überprüft werden. Hier ist der Weg zum Ziel schon viel weniger vorgegeben und Themen und Vertiefungen können auftauchen, wie es der Rhythmus des Kindes es vorgibt.

Homeschooling dagegen ist sehr strukturiert und meint im wesentlichen "die Schule am Küchentisch" mit Zeitplänen, Fächern und oft sogar Tests.

Zu meinem Erstaunen habe ich festgestellt, dass in der Homeschooling / Unschooling-Szene, wie im Rest der Gesellschaft, ein starker Drang zum Schubladisieren herrscht. Wer sich als "Freilerner" bezeichnet passt nicht zu den Homeschoolern und andersrum.

Ausserdem gibt es noch die religiös-Motivierten und solche, die es nicht sind. Also gibt es religöse Homeschooler, nicht-religöse Homeschooler, religöse Freilerner und nicht-religöse Freilerner. Alles klar?

Aber so klar ist es bei weitem nicht. Wir sind ein gutes Beispiel dafür. Ich habe den Titel "Freilerner" gewählt, weil ich es dämlich finde jede Tätigkeit mit einem Englischen -ing-Wort zu bezeichnen (Paragliding, Canyoning, Walking, Base Jumping..... am Ende etwa auch: in-der-Nase-bohring?) und aus der Uebersetzung von Homeschooling = Bildung zu hause eine Bezeichnung zu konstruieren erscheint etwas lächerlich (ein Bildungzuhausler, ein zu-hause-Bilder, ein Heimschuler?)

Im Wort "Freilerner" steckt die Freiheit, die mir so besonders an unserer Art des Lernens gefällt. Wir müssen zwar dem Lehrplan folgen, aber dennoch können wir Haken schlagen, weit nach vorne hüpfen und wieder auf etwas zurückkommen, das schon lange fertig schien. In Mathe und Deutsch muss ich weitgehend strukturiert vorgehen, was beim Füchschen nicht immer auf Gegenliebe stösst. Somit ist die Freiheit bei uns oft auch eingeschränkt, aber schon viel grösser, als in einer Klasse.

Ja, und religiös-motivert sind wir nicht. Ich würde mich sogar eher als Atheisten bezeichen, wobei ich da manchmal auch nicht so konsequent bin. Somit wären wir mehr-oder-weniger-atheistische, homeschoolende Freilerner....

 

Nachtrag:

Da ist nämlich noch so ein Punkt, der mich am Ausdruck "Homeschooling" stört: als würde das Lernen einzig und allein zu hause stattfinden. Das Gegenteil ist wahr: wir lernen auf der Schaukel auf dem Spielplatz Einmaleins, fahren mit den Trottis durchs Dorf und studieren die Verkehrsschilder und zeichnen eine Karte vom Dorf, wir besichtigen eine Saline, um nur ein paar Dinge zu nennen. Kurz gesagt: das Lernen findet überall statt, nur nicht in der Schule

Also sind wir, seit es das schöne Wetter doch noch in die Schweiz geschafft hat, mehr-oder-weniger-atheistische home- und outdoorschoolende Freilerner..... und spätestens hier wird die Schubladisierung, die keine mehr ist, vollends absurd.

Jede Familie, die ausserhalb der Schule lernt, hat ihren eigenen Stil, der genau so einzigartig ist, wie jeder Mensch, der auf dieser Erde wandelt. Und genau das ist der Sinn und Zweck des individuellen Lernens.

 

 

3 Kommentare

Sa

20

Apr

2013

Artikel im Mamablog

Autor: Wüstenfuchs

Gestern ist ein Artikel von mir im Mamablog des Tagi erschienen:

http://blog.tagesanzeiger.ch/mamablog/index.php/30905/das-ende-des-fremdbestimmt-seins/

2 Kommentare

Mo

01

Apr

2013

Gespräch R. Precht und G. Hüther

Ein sehr interessantes Gespräch über Bildung und Schule! Der Zeitaufwand lohnt sich!

5 Kommentare

Do

28

Mär

2013

Besuch in der Saline in Pratteln

Autor: Wüstenfuchs

Dass die Vernetzung ein Segen sein kann, erfuhren wir vor ein paar Tagen, als wir unseren ersten Ausflug mit 4 anderen Homeschooling-Familien miterleben durften. Dank der guten Kontakte untereinander und der Bereitwilligkeit die Neuen in die bestehenden Mailinglisten aufzunehmen, hatten wir die Möglichkeit mit insgesamt 6 Erwachsenen und 13 Kindern die Saline in Pratteln zu besichtigen.

Im Vorfeld habe ich die Gelegenheit genutzt mit Füchschen zwei Experimente zum Thema zu machen. Angefangen haben wir damit, dass wir solange Salz in Leitungswasser einrührten bis es gesättigt war. Den einen Teil der so entstandenen Sole füllten wir in eine flache Schale, um das Salz durch Verdunstung zurück zu gewinnen, den anderen Teil in einen Kochtopf. Dann wurde die Sole so lange gekocht, bis sie wieder zu ihrer ursprünglichen Form zurück fand.

Füchschen war, wie immer, mit Feuereifer bei der Sache. Solange er keine Romane schreiben muss, findet er Experimente immer gut.....

Das zweite Experiment schlug Füchschen vor. Er kennt es schon seit längerem, aber findet es immer wieder lustig es zu widerholen. Man nehme zwei Gläser mit Leitungswasser, Salz und ebenfalls zwei Eier. In das eine Glas wird Salz eingerührt, ins andere nicht. Legt man nun die beiden Eier in die Gläser, passiert das, was Füchschen so spannend findet: eines der Eier steigt an die Oberfläche.

So gewappnet machten wir uns auf den Weg Richtung Basel. Trotz morgendlicher Rushhour kamen wir gut voran. Ziemlich pünktlich gegen 9.15 Uhr erreichten wir Rheinfelden. Nach einer 15minütigen Irrfahrt zu einem Wohnquartier mit dem Namen "Alte Saline", zu dem uns unser Navi brachte, fanden wir dann dank der Hilfe eines ganz und gar nicht virtuellen Hilfe eines netten Rheinfeldeners die gesuchte Saline. Dachten wir. Wie dem geneigten Leser schon längstens klar ist, stellten wir nach kurzem Nachfragen fest, dass das es in der Gegend ZWEI Salinen gibt! Eine in Rheinfelden und eine in Pratteln. Im Moment unserer Einsicht war unsere Schweizerische Pünktlichkeit schon einer massiven Verspätung gewichen. 45 Minuten nach der abgemachten Zeit erreichten wir die Saline in Pratteln. Der theoretische Teil war gerade vorbei und die Führerin begab sich mit uns in die Fabrik.

In riesigen Kesseln wird die Sole aus dem nahen Salzberg gekocht, zentrifugiert und getrocknet und am Ende in Säcke verpackt. Füchschen staunte über die riesige Lagerhalle, in der 30m hoch Salz in allen Varianten gelagert wird: Speisesalz, Regeneriersalz, Streusalz für die Strasse, etc.

Am Ende der Führung betraten wir ein grosse hölzerne Halle, in der ein viele Meter hoher Salzberg lagerte. Um uns das Glück gewogen zu machen durfte jeder drei handvoll Salz mit der Linken über die rechte Schulter schmeissen. Das hätten wir mal am Morgen machen sollen! Vielleicht wäre uns dann der Stress mit der Ortsuche erspart geblieben. Auf der anderen Seite hatte die Irrfahrt auch ihr Gutes. Einerseits half Füchschen aktiv beim Navigieren mit und wir haben - im Gegensatz zu den anderen - beide Salinen gesehen und zu guter Letzt ist es halt einfach die Schule des Lebens, die einen in solchen Situationen lehrt die Ruhe zu bewahren und das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren. Lernen kann man immer was, aber oft ist es was anderes, als man sich anfangs gedacht hatte!

 

1 Kommentare

Mi

13

Feb

2013

Kleiner Einblick

Autor: Wüstenfuchs

Um euch einen kleinen Eindruck in unseren Freilerner-Alltag zu vermitteln habe ich in der Galerie mal 3 Bilder veröffentlicht, die euch zeigen wie wir arbeiten.

In Kürze werde ich noch Bilder über unsere Mathe-Hilfmittel hochladen.

0 Kommentare

Sa

02

Feb

2013

".....man kann dieses System nicht ändern!"

Autor: Wüstenfuchs

Diesen Satz höre ich oft, wenn ich darlege, dass ich nicht mit dem Schul- und Gesellschaftssystem zufrieden bin und deswegen einen anderen Weg suche.

Ich finde diese Feststellung unsinnig. Sie ist meiner Meinung nach auf der einen Seite schlicht falsch und auf der anderen Seite unterstellt sie, dass dies meine Absicht sei.

Aber worum geht es hier wirklich? In erster Linie, denke ich, dass dieser Satz die Hilflosigkeit ausdrückt, die gegenüber einer übermächtigen Gesellschaft empfunden wird. Sie dringt in jeden Winkel mit ihren Werten und Bewertungen ein. Es ist schwer dem zu entfliehen. Das empfinde ich auch so.

Wenn wir bei der Kindererziehung und –bildung bleiben, dann stelle ich fest, dass ich im täglichen Kampf gegen den Konsumwahn stehe. Über Fernsehwerbung und prallgefüllte Regale in der Spielzeugabteilung wird den Kindern (und Erwachsenen) suggeriert, dass das Glück zum Greifen nah sei…..man müsse nur dies oder das besitzen. Sich dem zu entziehen ist enorm schwer.

Man kann dagegenhalten, dass dann halt das gelebte Vorbild der Eltern ausschlaggebend sei. Das scheint nicht so zu sein. Denn in unserer Familie spielen weder neue Kleider noch neuste Elektronik oder tolle Autos eine Rolle. Der „Schlaue Hund“ (mein Mann) „konsumiert“ lediglich hin und wieder Modellflugzeuge und ich selber Material zum Malen. Der Rest ist zweckmässig oder selbergemacht. Dennoch kann ich an Füchschen deutlich beobachten, dass der Kauf- und Konsumzwang ihn beherrscht. Kaum besitzt er das Spielzeug, das er unbedingt haben musste, verliert es unmittelbar danach seine Attraktivität und eine neue Begehrlichkeit ersetzt den frei gewordenen Platz. Es bricht mir das Herz, ihn auf solchen Abwegen zu beobachten und ich fühle mich hilflos einem ungleichen Kampf ausgeliefert.

Insofern teile ich die Empfindung der Hilflosigkeit gegenüber diesem Gesellschaftssystem, das natürlich auch die Schule mit einschliesst. Aber folgt daraus, dass man das nicht ändern kann?

Kommt darauf an wie man es betrachtet. Wenn man sich als Kleinteil in einem grossen Räderwerk wahrnimmt, dann scheint die Lage hoffnungslos. Aber wenn man erkennt, dass man trotz allem die Wahl hat, dann eröffnen sich neue Horizonte. Im Minimum bleibt mir immer die Wahl Dinge NICHT zu tun. Ich muss nichts kaufen, wenn ich nicht will. Ich muss meinem Kind nicht die neueste Game-Konsole kaufen. Ich muss es nicht in die Kleidermarken stecken, die gerade in sind. Ich muss kein Smartphone haben, denn mein altes Teil funktioniert ja noch. Und ich muss mein Kind nicht zur Schule schicken, denn in der Schweiz haben wir selbst in diesem Thema die Wahl. Und mehr als Dinge nicht zu tun, hat jeder die Möglichkeit individuelle Wege zu finden, die sich nicht am vorgegebenen „Geburt-Kindergarten-Ausbildung-Rente“ orientieren.

Wenn ich an diesem Punkt meiner Ueberlegungen angekommen bin, folgt meistens der zweite Killersatz, der zum obenzitierten wie eine Zwillingsschwester gehört: „aber man muss sich ans System anpassen, sonst kommt man nicht weiter.“ Ich unterstelle, dass es sich genau umgedreht verhält!

Mit "man muss sich anpassen" ist meistens gemeint, man solle dem gewohnten Weg der "Zettel" folgen.

„Zettel“ haben in unserer Welt einen hohen Stellenwert. Zettel wie ein Maturzeugnis, Zettel wie eine Bestätigung über eine Zusatzqualifikation, Zettel wie das Diplom an der Wand im Warteraum des Arztes. Sie scheinen der Schlüssel zum Erfolg und damit zum Glück zu sein. Wer genauer hinsieht in seiner Umgebung, kann feststellen, dass dem nicht so ist. Jeder kennt mindestens einen 30-40jährigen, der sich in der Zweit- oder gar Drittausbildung befindet und hofft, dass sich mit dem Erwerb dieses Diploms dann doch die Zufriedenheit einstellt, die jeder von uns anstrebt. Auf dem Weg dahin klagen dieselben Menschen, wie anstrengend doch diese Ausbildung sei und was für nutzlosen Mist man lernen müsse. Wäre es nicht besser, seine Zeit mit dem zu füllen, das man wirklich gerne tut? Aber nein: „man muss sich halt anpassen, sonst hat man keinen Erfolg“. Tatsächlich?

Ich glaube, dass jeder individuell gewählte Weg, der den wirklichen Interessen entspricht dem Glück und dem Erfolg viel zuträglicher ist, als das gehorsame Abspulen scheinbar vorgegebener Lebenswege.

Und um auf den ursprünglichen Satz am Anfang zurück zu kommen: Ich denke sehr wohl, dass dieses System veränderbar ist (das war es immer). Aber es wird sich nicht verändern, wenn jeder den vorgespurten Pfaden folgt oder um es mit Andre Stern zu sagen: „Wer seine Ueberzeugungen respektiert, in vollem Bewusstsein eigene Entscheidungen trifft, seine Einzigartigkeit achtet und die eigene Zukunft selbst in die Hand nimmt, trägt implizit mehr zum Fortschritt der Welt und der Entstehung neuer Paradigmen bei…“ („…und ich war nie in der Schule“, S. 182).

8 Kommentare

Di

29

Jan

2013

Brief an den Opa

Jeder Abenteurer kennt es: das Betreten einer persönlichen „Terra inkognita“, eines unbekannten Gebietes, erzeugt immer zwei Gefühle. Da ist die Vorfreude auf das Neue/ Bessere / Interessantere, aber auch der Verdacht, dass die ganze Unternehmung, weg vom Wohlbekannten, doch nur eine riesen Dummheit sein kann.

Genau so geht es mir in den letzten 3 Wochen seit wir uns ins Abenteuer „Homeschooling“ gestürzt haben. An manchen Tagen, wenn es nur kleine Fortschritte gibt oder Füchschen nach 10 Minuten Mathe die Puste ausgeht, dann steigt der Zweifel an der Durchführbarkeit hoch. Aber gestern eröffnete sich ohne Ankündigung ein Moment der Gewissheit, dass es eine Art des „natürlichen“ Lernens auch für uns gibt.

 

Füchschen hatte sich meinen Notebook geschnappt und verkündet, dass er jetzt sofort einen Brief schreiben werde. Woher die Idee kam? Frag nicht!

Jedenfalls waren 5 Minuten später die grundlegenden Funktionen der Textverarbeitung erklärt und Füchschen lauthals lautierend Wörter am basteln. Am nächsten Morgen dann druckten wir einen der Briefe aus, und er schrieb selber Empfänger und Absender auf den Umschlag und brachte den Brief zum Kasten.

 

Für mich war das wie eine Offenbarung, da ich genau davon in den diversen Büchern zum Thema „Home/Unschooling“ gelesen hatte, es aber nicht für ein mögliches Szenario in unserem Fall gehalten hätte. Ohne die vielen Stunden ohne Ablenkung und ein gewisses Mass an Langweile, wäre der Kleine sicher nicht auf diese Idee gekommen.

Lerneffekt: Gross- und Kleinschreibung, Nomen & Verben, Satzzeichen, Regeln des Briefe schreibens. Genau das, was im Lehrplan steht. Wer hätte das gedacht!

 

Das tolle an dieser Art der Vermittlung von Inhalten ist, dass es gefragte Information ist und keine aufgedrängte Belehrung. Davon hätte ich gerne mehr!

4 Kommentare

Di

22

Jan

2013

Endlich!

Es ist soweit: wir sind Freilerner!

Seit Anfang 2013 haben wir die "Bewilligung zur Privatschulung" vom zuständigen Schulinspektor bekommen. Dieser Prozess war etwas langfädig und zäh, aber schliesslich haben wir doch noch kurz vor den Weihnachtsferien die Bewilligung erhalten und Füchchsen konnte seinen Ausstieg aus der Schulkarriere feiern.

 

Etwas seltsam war der Abschied schon. Das muss ich zugeben. Ich besuchte die Klasse am letzten Tag und Füchschen überreichte jedem seinen nun ehemaligen Klassenkameraden einen superlangen, superdicken Bleistift als Abschiedsgeschenk. Sozusagen als kleinen Wink mit dem Megableistift.... Seltsam wars natürlich nicht wegen des Bleistifts, sondern weil mich urplötzlich Zweifel und Bedenken aus dem Hinterhalt überfielen. "Was tue ich meinem Kind an? Reisse es einfach aus der gewohnten und normalen Umgebung.... Ist er vielleicht doch traurig und traut sich nicht es zu zeigen? Wie soll das bloss weitergehen?". Ein Teil meiner Gedanken war wie weggewischt als wir über den Schulhof nach hause liefen und Füchschen lauthals rief:"Jipiii, jetzt könn die mich alle mal!" So kann mans auch sagen.

 

Die bange Frage, wie das nun alles weitergehen soll, allerdings war nicht so einfach wegzuwischen. Klar, ich hatte für die Bewilligung seitenweise Lehrpläne erstellt, Schulbücher besorgt und gewälzt, etc., aber das heisst noch lange nicht dass ich tatsächlich einen Plan hatte. Der Lehrplan, den ich erstellt hatte, folgt voll und ganz der Philosophie des bestehenden Schulsystems. Von Wochenplänen über Lernziele und Unterteilungen in Fächer ist er genau das, was Füchschen bisher hatte....... und genau das, was ich nicht mehr wollte. Natürlich will ich, dass er alles lernt, was er im Leben braucht, dass er kein Analphabet und Zahlenbanause wird, sondern mit allem Nützlichem ausgestattet ist, um das Leben zu führen, das er für sich wünscht.

Aber wie macht man das und wie kommen wir an den Punkt, an dem das Lernen natürlich wird und nicht mehr unter Zwang stattfindet?

 

Nach der Lektüre von einigen Büchern, dem Durchstöbern vieler Homepages von Freilernern und Homeschoolern ist da natürlich der Traum des "intrinsischen Lernens", des Lernens das aus einer inneren (Belohnungs)quelle gespeist wird und nicht aus einer äusseren. Aber davon sind wir im Moment noch weit entfernt.

In der dritten Woche unserer Freilern-Erfahrung haben wir immerhin schon einen neuen Rhythmus gefunden, der uns erlaubt den Alltag mit der neuen Herausforderung zu meistern.

 

Zwei Bedingungen hat uns der Schulinspektor bis Ende dieses Schuljahres gesetzt. Einerseits muss die begleitende Lehrerin uns einmal pro Quartal besuchen und andererseits wird Füchschen am Ende des Schuljahres von einer Lehrperson in Deutsch und Mathe getestet. Schneidet er gut  ab, kann unsere Begleitung auch nur noch einmal pro Semester besuchen. Sprich: der Inspektor muss Vertrauen in uns gewinnen, dann lässt er uns machen.

Also sind wir im Moment zwar Freilerner, aber noch nicht so frei, wie ich es mir wünschen würde. Aber noch ist das Ende des Schuljahres ja noch weit und es bleibt uns noch Zeit erste Erfahrungen zu sammeln. Andererseits muss Füchschen beim Test gut abscheiden, sonst endet dieses Experiment schon in wenigen Monaten.....und das wäre wirklich schade, denn wir geniessen die Ruhe, die uns das Leben ohne Schule beschert! Wir geniessen die Morgen ohne Stress. Füchschen ist merklich ausgeglichener und ruht mehr in sich selbst. Insofern kann man schon von einem kleinen Teilerfolg sprechen. Ich bin sehr gespannt wie sich das Ganze weiterentwickeln wird.

Füchschen arbeitet am Malort nach Arno Stern
Füchschen arbeitet am Malort nach Arno Stern
0 Kommentare

Do

11

Okt

2012

Sozialisierung von Kindern durch Kinder- ein moderner Mythos?

Autor: Wüstenfuchs

Du nimmst dein Kind aus der Schule und was ist dann, bitte schön, mit der Sozialisierung?

Das scheint die erste Frage zu sein, die den meisten bei diesem Thema in den Sinn kommt. Zugegebenermassen war das auch meine erste Frage.

Diese Frage geht davon aus, dass die Kinder einerseits immer schon in Gruppen von Kindern sozialisiert wurden und dass das andererseits gut so ist.

Wenn man allerdings anfängt genauer darüber nachzudenken, dann erkennt man, dass die Volksschule, so wie wir sie kennen, erst seit vielleicht gut 200 Jahren in dieser Form existiert. Davor gab es für die meisten einfach nur das Leben und die anderen (älteren) Menschen, die sie die wichtigsten Dinge fürs Ueberleben lehrten, indem sie es vormachten. Und es gab für die Reicheren Hauslehrer, die Einzelne oder ein paar Geschwister gemeinsam zu Hause schulten - also homeschooling. Kurz gesagt, diese Form der Sozialisierung unter Gleichaltrigen ist ziemlich neu, wenn man die Menschheitsgeschichte als Massstab nimmt.

Sozialisierung unter Kindern ist also neu, was ja nicht heisst, dass es schlecht ist.

Also: ist diese neue Form einfach nur neu oder ist sogar gut? Theoretisch klingt die Idee sehr einnehmend. Wenn man Kinder miteinander spielen sieht, dann wirkt das richtig und gut.

In der Praxis aber sieht die Sache dann doch anders aus. In Schulen stehen Kinder durch Noten in Konkurrenz zu einander. Schlechtere werden gnadenlos ausgelacht oder runtergemacht. Auf dem Pausenhof herrscht eine Mobbing"kultur", dass einem die Haare zu Berge stehen.

Füchschen zum Beispiel traut sich im Moment nicht die Haare schneiden zu lassen, weil ihm sonst auf dem Pausenhof ein "Aecke-datsch" (Nacken-Klatscher) droht. Das heisst: einer von den grösseren Jungs haut ihm mit der flachen Hand mit voller Wucht auf den frisch geschorenen Nacken.  Lieber lässt er die Haare wachsen und nimmt in Kauf als "Mädchen" (was selbverständlich ein Schimpfwort ist!) verlacht zu werden.

Wer die falschen Kleider anhat wird ausgelacht, ebenso der, dem ein Missgeschick passiert.

Wer bei sportlichen Wettbewerben nicht mitmachen will, wird als Angsthase bezeichnet und Loyalität mit dem Freund oder Verständnis sind Tugenden, die man lange suchen kann.

Am besten angesehen ist der, der die grösste Klappe hat und nicht zimperlich ist, wenn es um Körpereinsatz geht.

Da all diese Dinge mehr oder weniger im Vorborgenen blühen, haben die Lehrer kaum eine Chance einzugreifen. Keiner von den Grösseren oder Stärkeren ist so dumm sich erwischen zu lassen. Aber ehrlich gesagt ist das ja genau das Merkmal von Mobbing. Mobbing ist unterschwellig, hinterfotzig, unsichtbar aber sehr schmerzhaft. Insofern kann man zustimmen, wenn sich die Schule als Vorbereitung auf das Leben betrachtet....

Für mich ist klar, dass ein Ausstieg aus der "Schulkultur" nur ein Aufstieg sein kann.

Nein ernsthaft, zu was genau wollen wir unsere Kinder in der Schule ausbilden und sozialisieren? Dass das Verlieren schon beim 5einhalber (oder für die Deutschen: bei 1-) anfängt? Dass der eigene Wert immer an anderen gemessen wird? Dass vorankommt, wer gehorcht? Dass man als Kind auf das Leben "vorbereitet" werden muss und somit eigentlich noch nicht lebt? Das mir andere sagen müssen, wann ich was machen darf (inklusive aufs Klo-gehen)? Dass Konkurrenz die Art von Beziehung ist, die ich zu meinen Mitmenschen haben soll?

Ich halte die Sozialisierung von Kinder durch Kindern für einen modernen Mythos. Kinder in grösseren Gruppen (so ab 3 Kindern...) tendieren dazu zu eskalieren. Das ist ja auch nicht weiter verwunderlich, da jeder der kleinen Menschen eine andere, eigene Idee hat, was jetzt zu tun wäre. Erwachsene gegenüber Kindergruppen (also Lehrer gegenüber Klassen) haben mehr etwas von Dompteuren (im guten Fall) oder Diktatoren (im schlechten Fall), denn 25 Kinder zu einem einheitlichen Tun zu überzeugen/überlisten ist wirklich keine einfache Sache und schon bei "vernünftigen" Erwachsenen eine Kunst.

Für mich ist es ganz klar, dass altersdurchmischte Gruppen der Sozialisierung eines Kindes viel mehr helfen, als die Orientierung an Gleichaltrigen. Natürlich habe ich nichts dagegen, wenn Füchschen seine Freunde trifft und mit ihnen spielt. Aber ich finde die Konkurrenzsituation, in die sie in der Schule gebracht werden, unnötig. Auch als Freilerner kann er seine Freunde treffen (sofern diese Zeit haben und nicht endlos Hausaufgaben machen müssen) und sie werden ihre guten und schlechten Tage haben, aber sie werden ihre Beziehungen nicht wegen Noten, Leistungen, etc. belasten müssen.

Ausserdem möchte ich ihm die Möglichkeit bieten, herauszufinden, was er wirklich gerne macht. Und dazu braucht es Zeit und Musse und eine grosse Prise Langeweile. Im hektischen Alltag von Schule und organisierter Freizeit bleibt kaum Zeit dazu. Im Freilerner-Alltag erhoffe ich mir Lücken, in denen Kreativität und Interesse entstehen kann, ohne dass sie von Erwachsenen verordnet ist.

 

PS:

Wenn Füchschens Freunde von der Idee hören, dass er nicht mehr in die Schule gehen wird, dann sage sie spontan:"Aber dann kannst du ja gar nicht mehr abmachen!" Dann fragt Füchsen das Kind, ob es seit Neustem in der Schule wohnt....

0 Kommentare

Mi

12

Sep

2012

Ein Silberstreif am Horizont

Autor: Wüstenfuchs

Wenn ein Thema immer wieder im Leben auftaucht, dann wird es erfahrungsgemäss auch irgendwann „ein Thema“ im Leben.

So geht es mir nun schon seit gut zwei Jahren mit dem Thema Homeschooling. Kein Zufall ist der Zeitpunkt, ab dem ich mich dafür zu interessieren begann: vor zwei Jahren wurde das Füchschen eingeschult und seit dem hat die Qual kein Ende.

 

Eigentlich beginnt diese Geschichte schon viel früher. Schon im Kindergarten begann die symptomatische Gleichmacherei, die dem Schulsystem von Natur aus innewohnt. Weil Füchschen nicht schön schrieb, empfahl mir die Kindergärtnerin den damals 4jährigen abklären zu lassen und in die Psychomotorik zu schicken. Der Clou an der ganzen Geschichte war, dass Füchschen zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht schrieb! Der sonst sehr geschickte und sportliche Junge, malte krakeklig und das fiel der aufmerksamen Kindergärtnerin sofort als Defizit ins Auge. Und damit waren wir schon beim Leit(d)thema der institutionalisierten Erziehung: Defizit. Das Wort „Defizit“ wird einem sozusagen als Kennung beim Eintritt ins Schulsystem ans Rever geheftet. Von nun an wird fieberhaft nach möglichen Defiziten bei den kleinen Menschen gesucht.

 

Woran das liegt, kann ich nur mutmassen. Hat es zu viele Speziallehrer, die alle eine Beschäftigung brauchen? Hat der Förderwahn der heutigen Zeit schon solche Ausmasse angenommen, dass nur Hochbegabung nicht als Defizit gilt? Ist es in unserer hochindividualisierten Welt den Kindern nicht erlaubt ebenfalls Individuen zu sein und zu bleiben?

Von alledem ….und zwar reichlich.

 

Bei der ersten Aufforderung unser Kind beim Spezialunterricht anzumelden, war ich noch wie vor den Kopf geschlagen. Ich hatte den Kleinen immer als aufgeweckt, normal und stark empfunden. Das mit ihm etwas nicht stimmen könnte, wäre mir im Traum nicht eingefallen. Im ersten Moment, als mich die Kindergärtnerin ansprach, war ich überzeugt, sie verwechsle mich mit jemand anderen. So absurd schien mir ihr Ansinnen.

Als ich aber dann einsehen musste, dass sie mich und Füchschen meinte, begann ich zu erkennen, dass hier erst der Anfang war vom Irrsinn, der sich Früherkennung, Frühförderung und Frühselektionierung nennt.

 

Seit den ersten Wochen der ersten Klasse liegt mir nun auch die Lehrerin in den Ohren, das Kind müsse abgeklärt werden. Warum? Da kann ich den Finger eigentlich auch nicht genau drauflegen. Einerseits weil er zu langsam ist und leicht ablenkbar, andererseits weil er am Anfang oft gefragt hat, ob die Lehrerin nicht mich anrufen könne und er früher nach hause gehen dürfe. Weil er oft weint und sich ungerecht behandelt fühlt. Weil er nicht ordentlich ist und Dinge und Aufträge vergisst…. Die einen nennen das „vielleicht AD(H)S“, ich nenne das 7 Jahre und gequält vom Stillsitzen und Dinge lernen, die nicht seinen Interessen entsprechen.

Nach einem Jahr Drängen und schlechten Zensuren (für das Kind oder die unkooperative Mutter?!) zum Ende des ersten Jahres, gab ich nach und ging mit Füchschen zur örtlichen Erziehungsberatung. Ich erspare euch die Details, die wahrhaftig langweilig sind, und fasse die Sache zusammen: nach vier Monaten und ebenso vielen Sitzungen mit dem Kind und einer ohne ihn ist noch nichts Verwertbares herausgekommen, ausser dass das Kind normal begabt ist. Immerhin.

Den grössten Stress an dieser Abklärung hat mir nicht die blosse Tatsache gemacht, dass mit meinem Kind irgendetwas nicht stimmen soll, sondern, dass ich als Erziehende eigentlich keine Stimmgewalt habe. Das drückt sich darin aus, dass „Fachberichte“ der Speziallehrer nur zur Psychologin der Erziehungsberatung geschickt werden und nicht an uns Eltern, dass mir, bei einer Diskussion über die Noten, geradeheraus erklärt wird, dass ich dazu sowieso nichts zu sagen habe, sondern nur meine Kenntnisnahme gefragt sei. Ueberhaupt dass Elternsein und mit einem Kind zusammen leben dich nicht automatisch zum intimen Kenner, sprich Fachmann /-frau, für eben dieses Kind macht. Mir wurde durchweg das Gefühl gegeben, dass meine Meinung und Vorstellung wie mein Kind erzogen werden solle nicht gefragt sei. Im Gegenteil wurde von mir erwartet, dass ich mich und meine Erziehung an den Stil der Lehrinstitution anpasse.

 

Und genau hier wird bei mir ein Knopf gedrückt, der mich zum Widerstand auffordert. Ich war schon immer ein ausgeprägter Individualist und mein eigener Lebenslauf zeugt mit einer Patchwork-Biographie von dieser Lust zum Widerspruch.

Ich habe für mich selber schon früh das Recht eingefordert, diejenige zu sein, die ich sein wollte. Wie kann ich da meinem Kind dieser Gleichmachungsmaschine „Schule“ aussetzen? Ich selber war anpassungsfähiger als er es jetzt ist, aber ich bewundere ihn für seine „Sturheit“. Ich selber wollte gefallen: meiner Lehrerin, meinen Eltern und wer da noch alles war. Einerseits ist das der einfachere Weg, da einem das Lob der Autoritäten gewiss ist, aber andererseits ist es garantiert nicht der Weg zum eigenen Glück. Und was ist wichtiger: sich auf dem Weg zum eigenen Glück zu befinden oder den Weg des geringsten Widerstandes zu wählen und sich an die Forderungen der Umwelt anzupassen? Ich habe später meistens ersteres gewählt.

 

Und jetzt taucht da am Horizont das Thema „Homeschooling“ auf.

Meine erste Reaktion war wie sie wahrscheinlich bei den meisten Menschen auftritt, die zum ersten Mal mit diesem Thema konfrontiert werden: ich reagierte mit Vorurteilen. Wie „sozialisiert“ sich ein Kind im Homeschooling? Und können Eltern das überhaupt, wenn sie nicht Lehrer sind? Ist das überhaupt erlaubt?

Alle diese Fragen haben ihre Berechtigung, aber sie stehen auch für ein Dogma der heutigen Zeit.

 

Man nimmt automatisch an, dass Kinder „richtigerweise“ in Gruppen von Gleichaltrigen (sprich „Klassenverbänden“) sozialisiert werden. Wenn man aber mal genauer darüber nachdenkt, dann wird einem klar, dass dieses Schulsystem ja erst knappe 200 Jahre in dieser Form besteht. Und davor? Davor lehrten und lebten Kinder aller Altersstufen mit ihren Eltern und Verwandten und lernten von ihnen alles Lebensnotwendige. Die Sozialisierung findet beim Menschen (wie beim Affen) also natürlicherweise in Altersdurchmischten Gruppen statt. Das kann Homeschooling bieten.

 

Die Frage, ob Eltern das überhaupt ohne Lehrerpatent können, ist symptomatisch für unsere hochspezialisierte Gesellschaft der Fachpersonen. Diese Frage geht davon aus, das Lernen ein hochkomplexer Vorgang ist, der nicht natürlichweise stattfindet, sondern von Fachleuten initiiert und unterhalten werden muss. Das Gegenteil ist der Fall und jeder kennt es. Alles, was uns wirklich interessiert, lernen wir in Windeseile und mit Ausdauer. Alles, was uns nicht interessiert, kann man uns 20 Mal erklären und es geht wie der Wind zum einen Ohr hinein und zum anderen hinaus. Da können wir 7, 37 oder 77 sein. Mit 37 hat man vielleicht seinen Frust bei langweiligen Themen besser im Griff und kann den Ehrgeiz über die Lust stellen, aber anders ist es nicht. Und so sage ich mir, dass ich gerne ein „Potentialentfaltungs-Coach“ für mein Kind wäre, das von sich aus gerne Neues lernt. Da ich ja auch schon vieles gelernt habe, ist es wahrscheinlich dass ich Begeisterung für ein Thema bei meinem Kind erkennen kann.

 

Und die Frage danach, ob Homeschooling erlaubt ist, steht auch für unsere Autoritätsgläubigkeit. Wie die braven Kinder fragen wir Vater Staat, ob wir (bittebitte) ein bischen Homeschooling machen dürfen. Wenn es uns ernst wäre mit unseren Ueberzeugungen, würden wir dafür kämpfen und unsere Vision des Lebens, wie wir es leben wollen, versuchen zu verwirklichen.

 

Das alles bringt mich zu der tiefen inneren Ueberzeugung, dass ich das Abenteuer Homeschooling wagen möchte, um mir und meinem Sohn die beste Zeit unseres Lebens zu ermöglichen!

Dafür nehme ich sogar die Chance zu Scheitern in Kauf, denn selbst wenn wir scheitern würden, bin ich mir sicher, dass wir eine gute Zeit gehabt haben.

2 Kommentare

Artikel in der Aargauer Zeitung

Heute ist ein guter Artikel in der Aargauer Zeitung über die Projektwoche in Schwanden ob Sigriswil erschienen.

http://www.aargauerzeitung.ch/aargau/kanton-aargau/homeschooling-unterricht-bei-mama-in-der-kueche-128012312

 

Seite 1 Aargauer Zeitung 25.6.2014
Aargauer Zeitung 25.6.2014 1.pdf
Adobe Acrobat Dokument 199.3 KB
Seite 2 Aargauer Zeitung 25.6.2014
Aargauer Zeitung 25.6.2014 2.pdf
Adobe Acrobat Dokument 176.1 KB
Seite 3 Aagauer Zeitung 25.6.2014
Aargauer Zeitung 25.6.2014 3.pdf
Adobe Acrobat Dokument 170.5 KB