Gewundene Pfade

Autor: Wüstenfuchs

Seit einigen Tagen geht mir etwas immer wieder im Kopf herum, dass ich in einem sehr interessanten blog gelesen habe. Die Autorin heisst Lori Pickert und das ist ihr blog.

 

In einem ihrer vielen wirklich guten und zum Teil auch sehr witzigen Texte stellt sie sich die Frage, ob wir als Eltern den Mut hätten unseren Kindern "gewundene Pfade" zuzustehen.

 

Sie bezieht sich darauf, dass die Lebensläufe vieler Erwachsener gar nicht so gerade sind, wie man versucht hat uns weiszumachen. Wenn du Schüler bist, dann erklärt man dir: zuerst die Schule, dann die Ausbildung, dann einen guten Job, Ehe, Familie, Pension, Enkelkinder und Sarg (naja, das Letztere bleibt meistens unerwähnt).

 

Als junger Erwachsener geht man davon aus, dass das Leben so funktioniert. Aber in den meisten Fällen ist es eher so wie Bert Brecht schon sagte: "...mach dir einen Plan und einen zweiten und gehn tun 'se beide nicht..."

Wenn ich meinen Lebensweg zurückschaue, dann ist er mehr als gewunden. Wenn mir einer vor 10 Jahren, nein vor 5 Jahren, erzählt hätte, was ich heute tue, dann hätte ich ihn direkt in die Psychatrie einliefern lassen.

 

Das Leben kann so überraschend sein! Ich war Kindergartenpraktikantin, Reisende, Verkäuferin, Barfrau, Heilpraktikerin, politische Aktivistin, Kampfsportlerin, Masseurin, Pflegende bei Alten und im OP, Gleitschirmschulen-Mitbetreiberin, Buchhalterin...... und all das möchte ich keinen Tag missen! All diese Erfahrungen machen mich aus.

 

Und jetzt kommen wir zum spannenden Teil: haben wir den Mut für unsere Kinder ein Leben mit Irrungen und Wirrungen zu akzeptieren anstatt eines "höchstmöglichen" Abschluss mit dem "bestmöglichen" Job und sozialen Prestige?

 

Haben wir den Mut sie scheitern zu sehen? Sie so richtig auf die Schnauze fallen zu sehen? Denn das werden sie.

 

Das ist schwer zu aktzeptieren beim eigenen Kind. Man stellt sich lieber vor wie alles klappt, der Sohn einen gut bezahlten Job, eine liebe Partnerin und süsse Kinder hat. Man beschäftigt sicher eher wenig mit dem Gedanken, er könnte ein tagträumender Surfer mit chronischen Geldsorgen werden....und das wäre noch die romantische Version einer Irrung.

 

Lori Pickert erwähnt in ihrem post, dass viele erfolgreiche Menschen eben solche gewundenen Pfade gegangen sind. Was natürlich nicht heisst, dass es für den Erfolg einen Zickzackkurs braucht und dass dieser automatisch zum Erfolg führt. Manchmal führt er einfach nur zu einem facettenreichen, interessanten Leben. Ungeachtet, ob andere das als Erfolg oder Misserfolg werten.