Endlich!

Es ist soweit: wir sind Freilerner!

Seit Anfang 2013 haben wir die "Bewilligung zur Privatschulung" vom zuständigen Schulinspektor bekommen. Dieser Prozess war etwas langfädig und zäh, aber schliesslich haben wir doch noch kurz vor den Weihnachtsferien die Bewilligung erhalten und Füchchsen konnte seinen Ausstieg aus der Schulkarriere feiern.

 

Etwas seltsam war der Abschied schon. Das muss ich zugeben. Ich besuchte die Klasse am letzten Tag und Füchschen überreichte jedem seinen nun ehemaligen Klassenkameraden einen superlangen, superdicken Bleistift als Abschiedsgeschenk. Sozusagen als kleinen Wink mit dem Megableistift.... Seltsam wars natürlich nicht wegen des Bleistifts, sondern weil mich urplötzlich Zweifel und Bedenken aus dem Hinterhalt überfielen. "Was tue ich meinem Kind an? Reisse es einfach aus der gewohnten und normalen Umgebung.... Ist er vielleicht doch traurig und traut sich nicht es zu zeigen? Wie soll das bloss weitergehen?". Ein Teil meiner Gedanken war wie weggewischt als wir über den Schulhof nach hause liefen und Füchschen lauthals rief:"Jipiii, jetzt könn die mich alle mal!" So kann mans auch sagen.

 

Die bange Frage, wie das nun alles weitergehen soll, allerdings war nicht so einfach wegzuwischen. Klar, ich hatte für die Bewilligung seitenweise Lehrpläne erstellt, Schulbücher besorgt und gewälzt, etc., aber das heisst noch lange nicht dass ich tatsächlich einen Plan hatte. Der Lehrplan, den ich erstellt hatte, folgt voll und ganz der Philosophie des bestehenden Schulsystems. Von Wochenplänen über Lernziele und Unterteilungen in Fächer ist er genau das, was Füchschen bisher hatte....... und genau das, was ich nicht mehr wollte. Natürlich will ich, dass er alles lernt, was er im Leben braucht, dass er kein Analphabet und Zahlenbanause wird, sondern mit allem Nützlichem ausgestattet ist, um das Leben zu führen, das er für sich wünscht.

Aber wie macht man das und wie kommen wir an den Punkt, an dem das Lernen natürlich wird und nicht mehr unter Zwang stattfindet?

 

Nach der Lektüre von einigen Büchern, dem Durchstöbern vieler Homepages von Freilernern und Homeschoolern ist da natürlich der Traum des "intrinsischen Lernens", des Lernens das aus einer inneren (Belohnungs)quelle gespeist wird und nicht aus einer äusseren. Aber davon sind wir im Moment noch weit entfernt.

In der dritten Woche unserer Freilern-Erfahrung haben wir immerhin schon einen neuen Rhythmus gefunden, der uns erlaubt den Alltag mit der neuen Herausforderung zu meistern.

 

Zwei Bedingungen hat uns der Schulinspektor bis Ende dieses Schuljahres gesetzt. Einerseits muss die begleitende Lehrerin uns einmal pro Quartal besuchen und andererseits wird Füchschen am Ende des Schuljahres von einer Lehrperson in Deutsch und Mathe getestet. Schneidet er gut  ab, kann unsere Begleitung auch nur noch einmal pro Semester besuchen. Sprich: der Inspektor muss Vertrauen in uns gewinnen, dann lässt er uns machen.

Also sind wir im Moment zwar Freilerner, aber noch nicht so frei, wie ich es mir wünschen würde. Aber noch ist das Ende des Schuljahres ja noch weit und es bleibt uns noch Zeit erste Erfahrungen zu sammeln. Andererseits muss Füchschen beim Test gut abscheiden, sonst endet dieses Experiment schon in wenigen Monaten.....und das wäre wirklich schade, denn wir geniessen die Ruhe, die uns das Leben ohne Schule beschert! Wir geniessen die Morgen ohne Stress. Füchschen ist merklich ausgeglichener und ruht mehr in sich selbst. Insofern kann man schon von einem kleinen Teilerfolg sprechen. Ich bin sehr gespannt wie sich das Ganze weiterentwickeln wird.

Füchschen arbeitet am Malort nach Arno Stern
Füchschen arbeitet am Malort nach Arno Stern

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